Sonntag, 21.9.
Nach gut einem halben Jahr Wartezeit ist es endlich so weit. Heute soll es also nach Venedig gehen. 'Belohnung' für das lange Warten - die Flüge hin und zurück für zwei Personen haben gerade mal insgesamt 80€ gekostet, ein Posten, der bei 5 Übernachtungen in Venedig fast unter Nebenkosten zu buchen ist. Dank so praktischer Einrichtungen wie Web-Check-In bei der TUIFly reduziert sich die unvermeidbare Warterei am Flughafen auf rund 1 Stunde. Pünktlich um 10.50 Uhr hebt unser Flieger von Münster-Osnabrück ab, 1 Stunde später kommt die Lagunenstadt in Sicht. Nach Abholung des Gepäcks in der Ankunftshalle des Flughafens die Venice-Card abgeholt.

Da wir uns für den direkten Bootstransfer vom Flughafen zur Stadt entschieden haben, folgt nun ein kurzer Fußweg zum Bootsanleger und das Warten auf die Linea Rossa der Alilaguna. Alternativ gäbe es auch noch den 'Landweg' mit dem Bus oder das schnelle und entsprechend teure Taxi-Boot.

Eine weitere Stunde später -was für eine Zeit in Relation zur Flugzeit- kommen wir auf dem Lido vor Venedig an. Unsere Unterkunft die Villa Stella  erreichen wir nach einer abschließenden kurzen Fahrt mit dem Linienbus. Also Auto - Flugzeug - Boot - Linienbus - Fußweg fast so etwas wie ein touristischer 'Fünfkampf ... wir haben es geschafft - unser Domizil für die nächsten Tage und Nächte. Nach den üblichen Formalitäten und dem Bezug unseres Zimmers entscheiden wir uns dazu, die nähere Umgebung auf dem Lido zu erkunden.  Wie es auf dem Lido aussieht zeigt Google Maps.

Von unserer 'Villa Stella' ist es wirklich nur ein Steinwurf zum Casino von Venedig und zum Schauplatz der weltbekannten Filmfestspiele, die gerade 14 Tage zuvor zu Ende gegangen waren. Das Wetter ist zwar trocken und leicht bedeckt, wirklich einladend ist der nahegelegene Strand aber nicht. In mehreren Reihen stehen hier nebeneinander die Strandhütten - unvorstellbar, dass diese Holzhäuschen in der Sommersaison mehrere Tausend Euro kosten sollen. Wer hier auch nur in zweiten Reihe steht, kann das Meer nur noch erahnen. Vor rund 150 Jahren entstand hier der moderne und mondäne Lido, um 1900 folgen die großen Hotels u.a. das 'Des Bains', in dem Thomas Mann seine Novelle 'Der Tod in Venedig' schreibt. 


Montag, 22.9.
Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück (frische Croissants und Brötchen, ausgezeichneter Cappucchino) geht es heute in die 'City'. Wir entscheiden uns für ein Vaporetto (das öff. Verkehrsmittel in Venedig schlechthin) der Linie 1 .  Bei strahlendem Sonnenschein sind wir vom Lido innerhalb von Minuten an der Piazza San Marco. Wir behalten unsere Plätze auf dem Vaporetto und nutzen die Gelegenheit zur Fahrt über den Canal
Grande bis zur neu eingeweihten 4. Brücke über den Kanal. Die 'Ponte della Constituzione' wurde am 11.September 'in Betrieb' genommen und nicht etwa 'feierlich eröffnet' , nicht zuletzt wohl deshalb, weil die geplante Bauzeit sich verfünffacht und die ursprünglich veranschlagten Kosten von 4 Mio. € sich fast verdreifacht haben. Ob die Brücke letztendlich wirklich eine -auch architektonische- Bereicherung für Venedig darstellt, mag jeder für sich selbst entscheiden. Immer wieder wird kritisiert, die Brücke sei nicht behindertengerecht, das mag ja stimmen, aber angesichts der zahllosen anderen Barrieren in der Stadt (leider) fast zu vernachlässigen. Ein kleiner Lichtblick - anlässlich des Venedig-Marathons(!) wurden 13 Brückenrampen installiert, die bis Mitte Januar 2009 stehen bleiben sollen.

Was wäre Venedig ohne seine Kirchen ? Mehrere von diesen haben sich zu einem Verbund zusammengeschlossen. 
Die Stiftung »Chorus« betreut 15 Kirchen Venedigs, darunter Santa Maria Formosa. Sie sind ohne Mittagsruhe Mo-Sa 10-17 Uhr geöffnet, Santa Maria Gloriosa dei Frari sogar Mo-Sa 9-18, So 13-18 Uhr. Der Eintritt kostet einzeln 3 Euro, für alle beteiligten Kirchen zusammen 9 Euro 

An dieser Stelle ein kurzer Exkurs zu den (Neben-)Kosten in Venedig und zur oben schon erwähnten Venice-Card. Wie gesagt, der Flug ist schon fast nicht mehr erwähnenswert, richtig ins Geld gehen andere Aktivitäten. Die Fahrt mit dem Boot vom Flughafen zur Stadt kostet 12€ pro Person und Strecke (das Taxi-Boot kostet zwischen 80-100€). Jede (Einzel-)Fahrt mit dem Vaporetto belastet die Urlaubskasse mit 6,50€ , der Besuch einer öffentlichen Toilette 1€, hinzu kommen diverse Eintrittsgebühren für Kirchen (s.o.), Museen oder sonstige Sehenswürdigkeiten. Der Preis von 47-90€ für eine 7-Tages-VeniceCard pro Person 'schockt' schon, relativiert sich aber bei näherem Hinsehen, da (je nach Zusammenstellung) die o.a. Gebühren enthalten sind.

Zurück ins fußläufige Venedig, wir verlassen das Vaporetto und beginnen unseren Weg durch und in die Stadt an der Piazzale Roma, dem zentralen 'Eingang' wenn man die Stadt auf dem Landweg (Bus / Auto) besucht.

Vom Sestiere Santa Croce zu dem der Piazzale Roma gehört, steuern wir direkt auf den kleinsten Stadtteil zu, der aber gleichzeitig den ältesten Kern Venedigs bildet, San Polo. Sehenswert dort unter anderem die Scuola Grande e chiesa di San Rocco, die Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, einer der bedeutendsten Sakralbauten in der Stadt, sowie die Kirche San Polo, die wir ebenfalls besichtigen. Selbstverständlich herrscht in all diesen Gemäuern Fotografierverbot ... Von San Polo geht es über erstaunlich große und menschenleere Plätze ans das 'hohe Ufer - rivus altus - Rialto'. Hier erreicht die Touristendichte ihr Maximum, auf der weltberühmten Rialto-Brücke muss man natürlich einmal gestanden und einen Blick auf den Canal Grande geworfen haben. Trotzdem lädt dieser Bereich nur hartgesottene Touristen zum längerem Verbleib ein, uns zieht es nach einem kleinen Snack wieder in die verwinkelten und weitgehend menschenleeren Gässchen. Hier ist das Revier von Commissario Brunetti, der Romanfigur der Schriftstellerin Donna Leon. Erstaunlicherweise sind ihre Kriminalromane bisher nicht ins Italienische übersetzt worden. Brunetti´s Wohnung mit schöner Dachterrassse bietet unweit von Rialto einen wunderschönen Blick über den Kanal (zumindest in den Verfilmungen) Seiner Lieblingsbar 'Do Mori', dem Stammlokal der Osteria 'Al Milion' statten wir nur von Außen einen Besuch ab, wir nehmen das tradionelle Ombra, das Gläschen Wein schon vor dem Mittag in einer kleinen Bar ein, die wir schon vor Jahren hier in Venedig ausgemacht haben. Gar nicht so leicht, diese im Gewimmel der schmalen Gassen wieder zu finden, aber ein guter Stadtplan gehört ohnehin ins Gepäck, damit man hier nicht vollkommen die Orientierung verliert.

Wir wechseln danach erneut die Seite des Kanals und besichtigen eine der imposantesten Kirchen, Santa Maria della Salute. Diese Barock-Kirche, direkt gegenüber von Dogenpalast und San Marco und zwischen der Einfahrt des Canal Grande und dem Canale della Guidecca gelegen prägt das Stadtbild Venedigs. Schade, dass die Kuppeln derzeit komplett eingerüstet sind und Baukräne die Silhouette stören. Auf unserem Heimweg zum Lido schlendern wir durch die abendliche Via Garibaldi im Sestiere Castello, durch die Gärten der Biennale, bevor uns Vaporetto und Bus zurück zur Villa Stella bringen.   

Im Internet gibt es unzählige Seiten über Venedig und seine Sehenswürdigkeiten. Recht informativ ist der Artikel in der Wikipedia - ein interessanter Blog über Venedig findet sich hier



Dienstag, 23.9.
Erneut meint es das Wetter gut mit uns. Strahlend blauer Himmel empfängt uns beim Öffnen der schweren, hölzernen Fensterläden am frühen Morgen. Das Frühstück entwickelt sich langsam zur Zeremonie, wir genießen Brötchen, Croissants und Cappucchino.Wir besteigen heute ein Vaporetto der Linie 51, welches uns zur im Norden Venedigs gelegenen 'Fondamente Nuove' bringt. Dort steigen wir um in die Linie 41, ein paar Minuten später erreichen wir die Isola di San Michele, die Insel des Hl.Michael. Der blaue Himmel mit seinen leichten Schleierwolken passt irgendwie nicht ganz zu der Atmosphäre, die die Insel bereits am Anleger ausstrahlt. Für alle, die mit dem Namen und dem Ort nichts anfangen können - San Michele ist die Friedhofsinsel von Venedig. Unter anderem finden sich hier die Grabstätten bekannter Zeitgenossen wie des Dichters Ezra Pound und des Komponisten Igor Strawinski. Besonders beeindruckend sind die Grabblöcke, Betonstelen in denen die Verstorbenen in mehreren 'Etagen' in langen, und unüberschaubaren Grabfeldern beigesetzt werden. Bei den Mausoleen der 'betuchten' Bürger liegen wie so oft Kunst und Kitsch nur winzige Nuancen auseinander. Die Kirche von San Michele können wir leider (auch hier wird restauriert) nicht besichtigen, sehenswert auf jeden Fall der zugängliche Teil des angeschlossenen Klosters mit seinem Kreuzgang und Innenhof.

Von San Michele aus fahren wir weiter nordwärts in die Lagune nach Murano. Hier, vor den Toren der Stadt liegt die Wiege der europäischen Glasherstellung. Bereits im 13.Jahrhundert wurden die Glasöfen Venedigs hier zentralisiert, zwar einerseits auch aus Brandschutzgründen, auf der anderen Seite lebten die Glasbläser hier aber wie auf einer Gefängnisinsel, ihnen war unter Androhung der Todesstrafe verboten, ihre Betriebsgeheimnisse weiter zu geben. Glasprodukte aus Murano sind weltberühmt, natürlich  ist der Geschmack auch ganz verschieden und nicht immer jedermanns Sache, auf jeden Fall ist sehenswert, was aus dem Werkstoff alles gezaubert wird. Auf unserem Weg durch Murano (eigentlich Venedig en miniature) besichtigen wir die Basilika Santa Maria e San Donato, mit ihren Vorläufern aus dem 7.Jahrhundert einer der ältesten Sakralbauten in der gesamten Lagune.

Was das Glas für Murano ist, ist die Herstellung von gestickter Spitze für Burano. Besonderer Anziehungspunkt in Burano sind die bunten, kleinen Fischerhäuser. Die Legende erzählt, dass die Farbgebung der Häuser der Orientierung der Fischer diente, die bei Nebel oder nach durchzechter Nacht ihre Insel und ihr trautes Heim anhand der Farbe ausmachten. Mit den großen Fähren den LN (Laguna Norte) geht es am Nachmittag über die Punta Sabbioni (Cavallino-Treporti) zurück zum Lido.

Dort nutzen wir einige Stunden zur 'Regeneration' bevor wir uns beim Einbruch der Dunkelheit ins venezianische 'Nachtleben' stürzen. Den Markusplatz im Dunkeln, die vorgelagerte Insel San Giorgio Maggiore lassen wir uns natürlich nicht entgehen, erstaunlich ist die Tatsache, dass es selbst an diesen Plätzen wirklich fast menschenleer ist - na uns soll´s recht sein. So ergattern wir dann auch mühelos einen der begehrten Sitzplätze ganz vorne auf einem Vaporetto und lassen uns über den Canal Grande fahren. Vom Kanal aus einen Blick in die beleuchteten Hotels und Palazzi werfen zu können ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Und ganz plötzlich fällt auch auf, was im nächlichen Venedig ganz besonders fehlt ... der Straßenlärm, den man aus anderen Metropolen kennt - das sanfte Plätschern in den Kanälen, das schafft eine ganz besondere Atmosphäre.



Mittwoch, 24.9.
Unsere dritte Nacht in Venedig und wieder begrüßt uns ein sonniger Morgen - irgendwie scheinen wir das Wetter verdient zu haben. Nach dem Frühstück geht es wieder los ... Vom Anleger des Casinos auf dem Lido gibt es eine direkte Verbindung (Linie 20) zum Markusplatz. Knapp 20 Minuten später haben wir das pulsierende Zentrum der Lagune erreicht. Noch ist es relativ leer, eine bessere Gelegenheit auf den fast 100m hohen Campanile, den Glockenturm von San Marco zu kommen, wird es wohl kaum noch geben. Etwa 10 Minuten Wartezeit, dann stolze 8€ an der Kasse gelassen und doch erfreut zur Kenntnis genommen, dass es einen Aufzug gibt - Venedig liegt einem zu Füßen. Die Aussicht ist wirklich beeindruckend, im Norden geht der Blick bis in die Alpen, östlich über den Lido auf die Adria Richtung kroatischer Küste, im Süden tauchen die Apenninen aus dem Morgendunst, westlich das Festland mit Mestre und der Po-Ebene. Türme, Kuppeln, Kirchen, Paläste und Plätze - nur eins sieht man nicht von hier oben ... Kanäle. Übrigens, wegen des besagten Fahrstuhls ist der Campanile im Jahr 1902 eingestürzt. Man hatte die Anker im Inneren des Turms für den Einbau entfernt, was die Statik wohl nicht lange mitmachte. Knapp 10 Jahre später wurde der neu errichtete Turm feierlich wieder eröffnet.
 
Vom Fuß des Turms ist es wirklich nur ein Steinwurf bis zum Dogenpalast, was inzwischen kaum noch vorhanden ist, sind die Riesenschwärme von Tauben, das Fütterungsverbot aus dem Jahr 2007 zeigt eindeutig Wirkung ... trotzdem lässt sich nicht behaupten, dass irgendetwas fehlt.

Der Palazzo Ducale, der Sitz des venezianischen Staatsoberhaupts, sowie der Regierungs- und Justizorgane, ist allein durch seine enormen Ausmaße von rund 75 x 100m äußerst beeindruckend und verkörpert durch seinen Baustil und seine Ausstattung Glanz und Ruhm der 'Serenissima' der Republik Venedig, wie sie vom 7.Jahrhundert bis ins Jahr 1797 existierte. In den Prunkräumen des Palastes ist das Fotografieren selbstverständlich nicht erlaubt, was auch peinlich genau Überwacht wird ... Positiv ist jedenfalls, dass man sich im Palast frei bewegen kann und nicht etwa durchgeschleust wird. So ergibt sich bei der Größe der Anlage zumindest die Möglichkeit, an interessanten Stellen länger zu verweilen und weniger spektakuläre Teile 'im Vorbeigehen' zu bewundern. Sehenswert auf jeden Fall das größte Ölgemälde der Welt, Tintoretto´s 'Paradies' mit 7 x 22m .

Nachdem wir die 3 Etagen des Palastes ausgiebig inspiziert haben, geht es im 2.Stock über die weltberühmte Seufzerbrücke über den Rio di Palazzo direkt in das Gefängnis, dessen 'prominentester' Insasse sicherlich ein gewisser Herr Neuhaus (ital. 'Casanova') war. Wir haben es allerdings einfacher, den Palast wieder zu verlassen. Über die Scala dei Giganti, die 'Giganten-Treppe' erreichen wir den Ausgang und stehen direkt gegenüber vom Glockenturm von San Marco. Eine kurze Drehung nach rechts und schon finden wir 'Anschluss' an die nächste Besucherschlange, denn die Markus-Basilika liegt direkt nebenan. Fairerweise muss man dazu sagen, dass der Besuch von San Marco kostenlos ist, dementsprechend frequentiert ist dieses Bauwerk dann auch. Da wir ja im Besitz der Venice-Card waren (der Eintritt in den Dogenpalast war enthalten) hatten wir dort den Vorteil, uns nicht anstellen zu müssen. Nicht jedoch hier - da die Besucher aber durchgeschleust werden, hält sich die Warterei dann auch in Grenzen. Mehr als einen unspektakulären Gang durch die Kirche gibt es allerdings nicht - weitere Sehenswürdigkeiten, die Schatzkammer, die Pala d'Oro und die Galerie mit den Außenbalkonen, diese sind wiederum mit Eintrittsgebühren bedacht worden. Die 4€ für die Galerie lohnen sich dann allerdings schon, der Blick ins Kirchenschiff und dann von außen auf den sich langsam füllenden Markusplatz ist schon etwas Besonderes.

Nach einem 'Snack' in den Gassen der Stadt machen wir uns auf zu unserem nächsten Ziel, zum Phoenix aus der sprichwörtlichen Asche, dem 'Teatro La Fenice'. Dieses kulturelle Wahrzeichen der Stadt brannte in den Jahren 1792, 1836 ab, 1996 bis auf die Grundmauern. Die 'Auferstehung' dauerte nach dem letzten Brand bis zum Ende des Jahres 2003, bevor das Theater im alten Glanz erstrahlte. .....

Nach reichlich Kilometern genießen wir den anbrechenden Abend bei einem leckeren Rotwein am Canal di San Marco, entspannen uns beim Sonnenuntergang und dem Anblick von Santa Maria della Salute und San Giorgio Maggiore. Vom Anleger bei San Marco bringt uns das Vaporetto später auf direktem Weg zum Lido zurück.





Donnerstag, 25.9.
Eine kleine Auszeit von der Kultur. Nach dem Frühstück nehmen wir wie gewohnt den Bus, dieses Mal geht es allerdings in die andere Richtung. Wir lassen uns bis zum Fähranleger Richtung Pellestrina (die Nachbarinsel des Lido) bringen. Hier sind die Strände noch 'unverbaut' und um diese Jahreszeit absolut menschenleer. Im Sommer sind das hier die beliebtesten Treffpunkte der Jugend Venedigs. Nur 2 Monate nach unserem Sommerurlaub schlendern wir wieder am Strand der Adria entlang. Ein kilometerlanger Deich lädt zu Radtour oder Spaziergang ein, auf unserem Rückweg in Richtung unserer Unterkunft passieren wir Behausungen, die einem Robinson-Film alle Ehre gemacht hätten.

Am Nachmittag machen wir uns auf eine ganz besondere Tour. Mit dem Vaporetto nach San Marco sind wir in den letzten Tagen regelmäßig daran vorbei gekommen, an der Insel San Lazzaro, die direkt vor dem Lido liegt. Das Besondere, nur einmal am Tag öffnet sich um 15.00 Uhr das eiserne Tor am Anleger. San Lazzaro degli Armeni ist ein armenisches Kloster, eine ganze Insel als Museum.


Ein Besuch ohne Führung ist dort leider nicht möglich, was sich allerdings nicht als nachteilig erweist. Unser 'Führer' ist ein liebenswerter Mönch jenseits der Siebzig, der seine Erklärungen bunt gemischt auf englisch, italienisch, französisch und armenisch gibt und uns bereitwillig die 'Schätze' des Klosters zeigt. Und unter diesen Schätzen befindet sich wirklich alles, was Armenier für und über Armenier und Gott und die Welt zusammengetragen, gestiftet und gesammelt haben. Darunter befinden sich uralte Schriften und Dokumente, eine Bibliothek mit rund 150.000 Bänden, Gemälde und Zeichnungen, und Artefakte von Expeditionen und Ausgrabungen, selbst eine 'waschechte' Mumie fehlt in dieser Sammlung nicht. Bei all der Herzlichkeit und einer erstaunlichen, nicht für möglich gehaltenen, Weltoffenheit ist es dann nicht verwunderlich, dass das Fotografieren in sämtlichen Bereich erlaubt ist bzw. geduldet wird. Ein sehr interessanter 'zeit-loser' Artikel ist hier zu finden , zeitlos deshalb, weil an diesem Fleckchen die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein scheint und der Bericht problemlos vom Jahr 2003 übertragen werden kann, der Eintrittspreis von 6€ ist ebenfalls unverändert. Der britische Dichter Lord Byron hat übrigens eine zeitlang bei den Mönchen auf San Lazzaro gelebt. Wir genießen den ca. 2-stündigen Ausflug in eine andere Welt, bevor uns die Bootslinie 20 zurück zum Lido bringt. Heute beenden wir unsere 'Aktivitäten' etwas früher, schließlich müssen wir noch packen, denn morgen geht´s leider schon wieder zurück. Den Abend beschließen wir mit einem ausgiebigen mehrgängigen Essen und begeben uns dann zur 'Nachtruhe' .....   die allerdings nicht lange währt, weil wir von einem Feuerwerk in unmittelbarer Nähe unserer Unterkunft aus den Träumen gerissen werden. Der Urprung ist schon geklärt, das Casino liegt ja quasi auf der Rückseite. Nur der Grund ist noch unklar, schließlich sind die Filmfestspiele schon längst beendet ...



Freitag, 26.9.
Heute beginnt der Tag besonders früh. Zum Glück haben wir aber am Vorabend über den Hauscomputer elektronisch 'einchecken' können, was die Wartezeit am Flughafen doch deutlich verkürzt. Es bleibt allerdings die relativ langwierige Fahrt mit der Alilaguna zum Marco Polo-Airport. Schön, dass man unterwegs schonmal den Blick über die Schulter eines Zeitungslesers werfen kann - so erfahren wir dann auch den Grund für das nächtliche Feuerwerk. Am Abend zuvor war im Casino der Automatenjackpot im Gegenwert von mehreren Mio. Euro geknackt worden ... wir hätten doch nicht auf unsere freien Eintrittstickets ins Casino verzichten sollen - auch wenn uns dieses Glück mit ziemlicher Sicherheit wohl nicht widerfahren wäre.

Wie dem auch sei, nach dem Start vom Flughafen haben wir zumindest das Glück, dass unser Flieger zum Abschied eine Platzrunde um die komplette Lagune macht und so noch einmal die Gelegenheit besteht, das Gesehene aus der Vogelperspektive zu betrachten. Während des einstündigen Rückflugs über Bozen, den Starnberger See und das Sauerland geht es schließlich zurück nach Münster-Osnabrück.Relativ schnell erhalten wir unser Gepäck und sind knapp 90 Minuten später wieder zu Hause.

Viele sind (aus unterschiedlichen Gründen) von Venedig enttäuscht - wir wissen: Wir kommen bestimmt wieder.